Was ist „Die Welt ist nicht mein Dorf“- Kommentare

 Think twice!
oder “Die Welt ist nicht mein Dorf”

Wir schreiben das Jahr 2014. Die Erde ist keine Scheibe mehr und die meisten Menschen keine Affen. Im Gegenteil, sie wussten inzwischen wie der Anfang aussah und eigentlich auch das Ende: Bald war das letzte Fleckchen Erde bereist, von Google-Maps erfasst, in einem Feriensong besungen. Und alles was sich außerdem vermarkten ließ, war zu Markte getragen und an den Höchstbietenden verkauft worden; weil Wälder, Berge, Flüsse bald abgeholzt, zerstört und leergefischt waren, strömten alle in die Stadt, wo weder Platz noch Luft zum atmen blieb. Und selbst für die Fittesten war das, was übrig blieb – Darwins Dschungelbuch – irgendwann zu gefährlich geworden, um ihre Überlegenheit weiter zu auszuleben.

Aber vernetzt waren die Menschen miteinander, bis zum Schluss. Man erzählte sich, dass es ein großer Fortschritt sei, etwas über den Tod von Paris Hiltons Hund zu erfahren; und auch das Buch per Knopfdruck war eine prima Sache. Aufgrund der elektronischen Vernetzung hatte ein berühmter Medientheoretiker bereits 1962 davon gesprochen, dass die Welt zu einem “globalen Dorf” zusammen wachse. Danach gab es kein ‚Außen‘ mehr. Im Informationszeitalter waren wir alle Nachbarn. Wir kauften beim gleichen Backshop unsere Brötchen, Semmeln, Schrippen – nur die Bezeichnung war noch strittig –, wir hatten das gleiche Lieblingsgetränk, sahen den gleichen Kinofilm, benutzten die gleiche Klingeltöne und trugen die gleichen Klamotten. Im Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

“Diese Welt ist nicht mein Dorf”, mein Kiez, mein Barrio, das Kaff in dem ich leben will. Als Bezugspunkt wählen wir eine Vierte Welt, die Sterne der Phantasie, Kritik und Utopie; denn es könnte ja auch anders sein. Für Brot und Frieden, Freiheit und Paläste!Vom antiken Philosophen Protagoras ist der Satz überliefert „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“. Wer dabei nur an sich denkt, verkennt, dass das Maß an allen, nicht nur an einem Menschen angelegt werden sollte! So verstanden hat der Titel der Veranstaltungsreihe, nebst der welt-kritischen auch eine selbst-kritische Bedeutung: Das eigene Dorf ist nicht der Mittelpunkt des Universums und die berühmte Kirche bisweilen außerhalb besser verortet als im Dorf.

Die “Welt ist nicht mein Dorf” ist weder als blinde Kritik einer globalisierten Welt noch als Tabu der eigenen Meinung zu verstehen, sondern als Einladung und Aufforderung zur Reflexion von beidem. Think twice!

Andreas Wiebel

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